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Grundstücksverkauf an DRK könnte teuer werden

Von am 22. Januar 2018

Auf den ersten Blick scheint die Stadt Wurzen mit dem Verkauf eines Grundstücks im Gewerbegebiet an den DRK Kreisverband Muldental e. V. ein gutes Geschäft zu machen. Wenn der Stadtrat am 6. Februar dem Verkauf zustimmt, fließen immerhin mehr als 100.000 Euro in die Stadtkasse, zudem wird ein weiterer Teil des Gewerbegebietes fortan einer kommerziellen Nutzung zugeführt. Das DRK will auf einer Fläche von ca. 12.000 m² seinen neuen Geschäftssitz errichten, da das alte Domizil in der Walther-Rathenau-Straße mittlerweile den Expansionsbestrebungen des Unternehmens nicht mehr gewachsen ist.

Auf den zweiten Blick könnte die weitere Expansion des DRK jedoch für Wurzen teuer werden, denn bereits jetzt bittet der Wohlfahrtsverband die Stadt zur Finanzierung seiner Verwaltungstätigkeit kräftig zur Kasse. Beispielsweise im Rahmen der Trägerschaft über zwei der großen Wurzener Kindereinrichtungen: Für den Betrieb der beiden Kitas Spatzennest und Sonnenschein erhält das DRK, wie alle freien Träger, neben anderen Zuwendungen auch eine sogenannte Verwaltungsumlage. Diese soll Aufwendungen ersetzen, die durch reine Verwaltungstätigkeit entstehen, also mit der eigentlichen Kinderbetreuung wenig zu tun haben.

Zwar dürften sich die nötigen Aufwendungen zur Verwaltung eines Kita-Platzes bei den verschiedenen Trägern nicht maßgeblich unterscheiden, dennoch gibt es laut der aktuellen Betriebskostenaufstellung der Wurzener Kitas für das Jahr 2016 (einsehbar im Ratsinfosystem der Stadt) erhebliche Unterschiede in der Höhe der berechneten Umlage. Die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde beispielsweise berechnet für die Verwaltung der Kita Arche Noah mit 78 Plätzen im Jahr 2016 eine Umlage von 10.836,49 Euro. Für die Verwaltung der Kita Spatzennest mit 202 Plätzen berechnet das DRK stolze 68.897,95 Euro, also für das Zweieinhalbfache an Plätzen fast das Siebenfache an Kosten! Selbst die in kommunaler Trägerschaft befindlichen Kitas werden erheblich wirtschaftlicher verwaltet, so fallen z. B. für die Kita Märchenland mit 64 Plätzen 6.688,09 Euro an, für die Kita Rüsselchen mit 152 Plätzen schlagen 10.803,17 Euro an Umlage zu Buche.

Befragt, wie diese erheblichen Kostenunterschiede zustande kommen, gab die zuständige Mitarbeiterin der Wurzener Stadtverwaltung, Birgit Grellmann, in einem Pressegespräch am 21. November 2017 als Erklärung an, das DRK sei eben größer, beschäftige mehr Mitarbeiter und entsprechend würden auch höhere Kosten in der Verwaltung anfallen! Auch vom zuständigen Fachbereichsleiter Thomas Boecker war beim gleichen Termin keine stichhaltigere Begründung zu erhalten. Dass diese Denkweise jedoch tatsächlich gelebte Realität ist, zeigt sich insbesondere darin, dass in den letzten Jahren seit 2013 für die beiden DRK-Kitas erhebliche Kostenssteigerungen im Bereich der Verwaltungsumlage zu Buche schlagen, obwohl Belegung und Kapazität der Einrichtungen und somit auch der tatsächliche Verwaltungsaufwand sich nicht wesentlich verändert haben.

Der Argumentation der Stadtverwaltung folgend, liegt die Vermutung nahe, dass eine weitere Expansion des DRK unabhängig vom tatsächlichen Verwaltungsaufwand für die Kitas hier zu noch höheren Kosten führen wird und dass somit die Wurzener Bürger und insbesondere die Eltern, die ja über die Elternbeiträge direkt an den Betriebskosten der Kitas beteiligt werden, dies auch weiterhin werden mit finanzieren müssen. Auch deshalb, weil der eigentlich für die Prüfung der Kita-Betriebskosten zuständige Ausschuss für Kultur, Jugend, Schulen, Sport und Soziales in seiner Sitzung vom 8. November 2017 nicht nur wenig Interesse an einer näheren Beschäftigung mit dem Thema zeigte, sondern fraktionsübergreifend eine von Oberbürgermeister Jörg Röglin vorgeschlagene externe Überprüfung und Bewertung der Kita-Betriebskosten mehrheitlich ablehnte.

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