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Open Space – Pesta-Schüler diskutieren mit Politikern

Von am 1. September 2017

„Was bewegt euch und wie wollt ihr Gesellschaft verändern?“- Unter dieser Fragestellung führt das Netzwerk für Demokratische Kultur e.V. in diesem Jahr mehrere Open Space Veranstaltungen in Schulen in den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen durch.

Bereits vor den Sommerferien fand eine solche in Torgau mit der Klassenstufe 9 statt. Nun waren die 10. Klassen der Pestalozzi-Oberschule in Wurzen am 29.8. und die der Artur-Becker-Oberschule in Delitzsch am 30.8. die Gastgeber. Wenige Tage später, am 6.9., führt der Weg in die Oberschule nach Trebsen.

Eine ganze Tafel mit Fragen an die Politik haben die Zehntklässler der Wurzener Pestalozzi-Oberschule dabei zusammengetragen, z. B.:

Wann gibt es gleichen Lohn für gleiche Arbeit in Ost und West? Warum bestimmen Politiker selbst über ihre Entlohnung? Was ist verkehrt am derzeitigen Bildungssystem? Welche Ziele haben die Parteien? Wie steht es mit der technischen Ausstattung der Schulen? Weshalb sind viele Wahlplakate so inhaltslos?

Wurzens Oberbürgermeister Jörg Röglin (SPD), Monika Lazar (MdB für die Grünen), Jens Kretzschmar (Stadtrat und Kreisrat für die Linken), Sebastian Stieler (Bornaer Stadtrat für die CDU), Markus Bergforth (Kreisrat für die SPD) und René Jalaß (MdL für die Linke) haben sich einen Vormittag Zeit genommen, um den Schülern Rede und Antwort zu stehen und vor allem, ihnen zuzuhören.

„Wir wollen einen sogenannten Open Space, einen offen Raum für Diskussion und Ideen bieten, in dem die Schüler ihre Themen selbst setzen und auch gehört werden. Dafür stellen wir ihnen Politiker verschiedener demokratischer Parteien und Ebenen zur Seite, die vor allem zuhören und gemeinsam mit den jungen Menschen besprechen, wie ihre Interessen auf welcher politischen Entscheidungsebene Gehör finden können.“ sagt Siri Pahnke, Projektkoordinatorin des Projektes und ergänzt: „Auch Schüler sind das Volk und die Politiker haben den Auftrag, auch sie zu vertreten. Das soll klar werden.“

Und so kamen neben interessanten Themen wie „Glauben Sie an Außerirdische?“ oder „Sollte Cannabis legalisiert werden?“ auch Dinge zur Sprache, die den Jugendlichen Sorgen und Ängste bereiten, wie der Umgang mit Flüchtlingen oder die angekündigte Demonstration in Wurzen am 2. September.

In der Runde zum Thema Flüchtlinge ging es z. B. um persönliche Erlebnisse mit Geflüchteten, es wurde deutlich, dass viele Schüler zwar Menschen, die aus Kriegsgebieten zu uns kommen, auf jeden Fall Hilfe zukommen lassen wollen, dies aber bei den „Wirtschaftsflüchtlingen“ nicht immer so ist. Als negativ wurde empfunden, wenn seitens der Behörden bei Straftaten mit zweierlei Maß gemessen wird, hier sollte gleiches Recht für alle gelten. Es wurde aber auch Kritik an Mitschülern geäußert, die, so einer der Teilnehmer, „auf dem Schulhof über die Probleme schimpfen, aber dann, wenn die Gelegenheit da ist, mal mit Politikern darüber zu sprechen, das Maul nicht aufkriegen“.

Beim Thema „Außerirdische“ stand zunächst die Angst vor den Unbekannten, die vielleicht mit negativen Einstellungen zu uns kommen, im Vordergrund, es gab aber auch die Neugier, wie die Anderen wohl aussehen, welche Absichten sie tatsächlich haben könnten und wie man friedlich mit ihnen in Kontakt kommen könnte.

In der Diskussionsrunde, die sich mit der Demo am 2. September beschäftigte, wurden vor allem Ängste vor gewalttätigen Ausschreitungen in deren Umfeld, wie kürzlich in Hamburg, deutlich. Die Schüler diskutierten über das demokratische Recht auf Versammlungsfreiheit und erfuhren, auf welchem Weg und in welchen Gremien solche Veranstaltungen genehmigt werden, wer für die Absicherung zuständig ist und welche Maßnahmen die Stadt zum Schutz der Bürger ergreifen kann. Es wurde aber auch deutlich, dass viele Informationen zum Thema aus sogenannten „Fake-News“ stammen und dass es generell wichtig ist, Medienberichte kritisch zu hinterfragen und deren Quellen zu prüfen.

Für die Zukunft sind die Jugendlichen nun aufgerufen, in ihren jeweiligen Kommunen selbst aktiv zu werden und sich einzumischen. Seitens der Jugendfonds in Nordsachsen und dem Landkreis Leipzig werden sie beraten, wie sie eigene Ideen in die Tat umsetzen können. Die Veranstaltungen finden im Rahmen des Projekts „Demokratie braucht Konflikte – Demokratie braucht Diskussion“ statt, welches durch die Amadeus Antonio Stiftung, die Do:Stiftung und das Landesprogramm Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz gefördert wird.

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