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Kührener Eltern finden Schätze

Von am 26. Juni 2017

Auf großer Fahrt waren Eltern der Kührener Kita „Rüsselchen“ in den vergangenen Monaten – allerdings nur im übertragenen Sinne: Gemeinsam mit Kursleiterin Antje Romahn haben sie sich auf den Weg gemacht, verborgene Schätze ihrer Kinder zu heben. Beim Elternkurs „Schatzsuche“ geht es in erster Linie darum, nicht nach Fehlern zu suchen, sondern Potenziale zu finden, Fähigkeiten und Stärken des Nachwuchses in den Mittelpunkt zu stellen und zu fördern.

Der Weg dorthin ist auf der großen Schatzkarte vorgezeichnet. Bei jedem der insgesamt sechs Treffen bekommen die Eltern ein neues Reiseziel, gilt es, eine neue Schatzinsel zu entdecken: Da geht es z. B. um die seelische Widerstandsfähigkeit und Schutzfaktoren oder um Verständnis für die Entwicklungsschritte von Kindern, darum, wie sich Ressourcen und Entwicklungschancen erkennen und nutzen lassen. Es wird erkundet, was Gefühle sagen und was sie ausdrücken, wie man streitet und Lösungen findet, respektvoll miteinander umgeht und wie mit Ritualen der Alltag gestaltet werden kann.

Die Kita Rüsselchen ist eine der ersten 11 sächsischen Kindereinrichtungen, die im April 2016 das Zertifikat „Schatzsuche-Kita“ erhalten haben und damit qualifiziert sind, das Elternprogramm umzusetzen. Das notwendige Rüstzeug hat sich Erzieherin Antje Romahn im von der Sächsischen Landesvereinigung für Gesundheitsförderung e.V. in Dresden angebotenen  Weiterbildungsprogramm „Schatzsuche“ – Förderung des seelischen Wohlbefindens von Kindern in Kitas geholt.

Einziger Wermutstropfen: Derzeit gibt es im Landkreis Leipzig keinerlei Unterstützung für Kitas, die solche Elternkurse etablieren wollen. Das heißt, die für die Umsetzung nötigen ca. 30 bis 40 Erzieherstunden pro Kurs gehen entweder von der durch den Betreuungsschlüssel definierten Zeit für die Kinder ab oder müssen von den kursbegleitenden Erzieherinnen in ihrer Freizeit erbracht werden.

Weshalb so wichtige Präventionsangebote nur so unzureichend unterstützt werden, kann auch Antje Romahn nicht verstehen, vor allem vor dem Hintergrund, dass damit Fehlentwicklungen und psychische Auffälligkeiten von Kindern vermieden werden könnten, die weitaus kostspieligere Fördermaßnahmen nach sich ziehen. „Wir geben immer größere Summen für Interventionsmaßnahmen wie sozialpädagogische Familienhilfe, Psychotherapie, Frühförderung oder Sozialarbeit in Schulen aus – viele dieser Maßnahmen wären vielleicht nicht notwendig, wenn es gelingen würde, die Eltern frühzeitig, also schon im Kita-Alter, als Erziehungspartner zu gewinnen, zu sensibilisieren und zu unterstützen.“

Die Voraussetzungen dafür sind gerade in den Kitas, wo Eltern und Erzieher fast jeden Tag unmittelbaren Kontakt haben, ideal, das ist auch im gerade beendeten Elternkurs in Kühren deutlich geworden. „Es besteht hier eine Vertrauensbasis, die mit externen Dozenten, beispielsweise in einer Beratungsstelle, nicht gegeben wäre und die sich im Verlauf des Kurses, auch im Austausch der Eltern untereinander, noch verstärkt hat. In der täglichen Arbeit mit den Kindern wird für uns Erzieher deutlich, wie die im Kurs vermittelten Erkenntnisse von den Eltern umgesetzt werden, welche Ideen erfolgreich genutzt werden konnten und wo man andere Wege finden sollte. Und ganz oft kamen von den Eltern dann auch positive Rückmeldungen über im Alltag zu Hause erzielte Erziehungserfolge.“, so Antje Romahn.

Für die Zukunft sind in Kühren weitere Schatzsuche-Expeditionen  geplant, Interessenten dafür haben sich bereits gemeldet. Derzeit wird gemeinsam mit der Stadt Wurzen als Träger der Einrichtung geprüft, ob geeignete Förderprogramme für die Umsetzung gefunden werden können.

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