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Elsa Brändström – Der Engel von Sibirien

Von am 29. März 2017

Als der Nitzschkaer Jens Haubner vor einigen Jahren zum ersten Mal mit der Vermutung an die Öffentlichkeit ging, die Frauengestalt in der Figurengruppe im Denkmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges auf dem Wurzener Alten Friedhof sei die Schwedin Elsa Brändström, stieß er damit auf wenig offene Ohren. In den Jahren zuvor waren Denkmal und Stadt Wurzen des Öfteren in die Schlagzeilen geraten, vor allem aufgrund der Bestrebungen rechtsextremer Gruppierungen, den Ort am Volkstrauertag für ihre Art „Heldengedenken“ zu missbrauchen.

Wurzener Bürger sorgten damals mit ihrem Engagement dafür, dass man sich in der Stadt intensiver mit dem Denkmal und seiner Botschaft auseinandersetzte. Kinder und Enkel von vielen, deren Namen im Denkmal zu lesen sind, brachten Fotos, erzählten aus ihren Erinnerungen und versuchten so, den Gefallenen, an die das Mahnmal erinnern soll, Gesichter zu geben.

Ein nachfolgender Versuch, das Denkmal durch moderne Kunst zu kommentieren und zu interpretieren, scheiterte jedoch, unter anderem wohl auch an den Bestrebungen einiger, die Auseinandersetzung innerhalb der Wurzener Bevölkerung über den Umgang mit dem Denkmal für politische Zwecke zu instrumentalisieren.

Letztendlich ist es der Hartnäckigkeit von Jens Haubner zu verdanken, dass die starren Positionen schließlich doch wieder ins Wanken kamen. Dank seiner umfangreichen Recherchen, an denen sich im Laufe der Zeit auch viele andere Menschen beteiligten, konnten Beweise erbracht werden, dass es tatsächlich Elsa Brändström war, die den Künstlern Arthur Lange und Georg Wrba für die Plastik des Denkmals als Modell diente.

Seit einem Jahr erinnert deshalb nun eine Gedenktafel am Mahnmal an die mutige und engagierte Schwedin. Dass die feierliche Enthüllung der von der schwedischen Honorarkonsulin Petra Löschke gestifteten Gedenktafel für Elsa Brändström am 08. März 2016, also am internationalen Frauentag, stattfand, ist kein Zufall, sondern ausdrücklicher Wunsch der Stifterin, die sich sehr intensiv mit dem Leben und den Leistungen dieser außergewöhnlichen Frau beschäftigt hat. Auf der Tafel ist zu lesen: „Einzigartig, stark. Sie half, kämpfte, dachte an Andere. Sie war eine Frau mit dem Herzen auf dem rechten Fleck: Sibiriens Engel.“

Auch wenn die Bezeichnung „Kriegerdenkmal“ nicht von heute auf morgen aus den Köpfen der Wurzener verschwinden wird, steht Elsa Brändström für ganz andere Werte. „Sie steht hier in Wurzen als Symbol der Hoffnung, der Unterstützung, des selbstlosen Einsatzes für andere. Und da wir Dank der Recherchen nun auch wissen, wer der junge Soldat ist, sollte es nicht falsch sein, wenn ich sage: Sie steht hier auch als ein Symbol der Liebe und der Trauer über den durch Gewalt und Krieg verursachten Tod.“, sagte Oberbürgermeister Jörg Röglin damals in seiner Festrede.

Vielleicht bewirkt ja die Verbindung zu Elsa Brändström, dass die Wurzener sich künftig wieder mehr und auf andere Art mit ihrem Denkmal beschäftigen. Den Anfang hat die junge Generation schon gemacht: Schülerinnen und Schüler des Wurzener Lichtwer-Gymnasiums haben die Schwedin, die in Russland geboren wurde und sich insbesondere in Sibirien für deutsche Kriegsgefangene und später in Deutschland für Waisenkinder und Hilfsbedürftige einsetzte, zum Thema ihres Beitrages für den Bundesfremdsprachenwettbewerb gemacht. Anlässlich der Festveranstaltung am Denkmal hatten sie vonseiten der Wurzener Gäste schon einmal großes Lob für ihre beeindruckende Darbietung in schwedischer, englischer und russischer Sprache geerntet. Im Oktober wurde das Schülerprojekt zudem mit dem Hubertusburger Jugend-Friedenspreis ausgezeichnet.

Am kommenden Samstag, dem 01. April 2017, trägt Jens Haubner im Kultur- und Bürgerzentrum D5 in Wurzen aus seinen umfangreichen Recherchen zum Thema vor. Beginn der Veranstaltung ist 17 Uhr, der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

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