Aktuell

Zukunft der Wurzener Grundschulen – Stadträte entscheiden

Von am 3. März 2017

Wie die Entscheidung zur Zukunft der Wurzener Grundschulen ausfallen wird, ist noch unklar, ziemlich sicher ist jedoch, dass sie am kommenden Dienstag fallen wird. Einem Antrag der CDU-Fraktion, die Debatte noch einmal zu verschieben, folgte in der Ausschusssitzung vom vergangenen Mittwoch lediglich die Antragstellerin Hannelore Dietzschold selbst, 7 Ausschussmitglieder stimmten dagegen, sodass bei einer Stimmenthaltung der Antrag abgelehnt wurde. Zuvor hatte Stadträtin Sabrina Ryborsch (Bürger für Wurzen) energisch darauf hingewiesen, dass die notwendigen Informationen den Stadträten seit Wochen vorgelegen haben, viele verschiedene Varianten diskutiert wurden und die aufgetretenen Fragen seitens der Stadt auch beantwortet werden konnten. Der Beschlussvorschlag der Verwaltung, der die Zusammenführung der beiden Grundschulen Ringelnatz-GS und GS an der Sternwarte im „Bildungszentrum Nord“ beinhaltet, erhielt hernach mit 4 Ja-Stimmen, 3 Nein-Stimmen und 2 Enthaltungen eine Mehrheit und kann damit zur Entscheidung dem Stadtrat vorgelegt werden.

Dem Beschluss vorausgegangen war eine intensive Diskussion, in der vor allem die Inhalte der Bürgerinformationsveranstaltung besprochen wurden, bei der Oberbürgermeister Jörg Röglin tags zuvor im Plenarsaal rund 200 interessierte Bürger über die Pläne der Stadt informiert und zahlreiche Fragen beantwortet hatte. Deutlich wurde, dass gerade im Hinblick auf die Argumente der Eltern und Lehrer der Sternwarte-Grundschule vielen Stadträten die Entscheidung nicht leicht fällt, dass man aber auch verantwortlich und mit Blick auf die Entwicklung der Stadt in den nächsten 20 bis 30 Jahren entscheiden möchte.

Verständlich ist, dass Lehrer und Eltern der Sternwarte-Grundschule für den Erhalt ihrer Schule kämpfen und jedes mögliche Argument dafür in die Waagschale werfen. Dass dies durchaus sehr sachlich und konstruktiv, aber auch sehr emotional erfolgt, hat der Ablauf der Informationsveranstaltung zum Thema gezeigt. Für die Stadträte werden jedoch vor allem Sachargumente den Ausschlag geben, die die Situation aller Wurzener Schüler und die Entwicklungsmöglichkeiten der Stadt zum Inhalt haben. Unabhängig von emotionaler Beteiligung stellen sich die grundlegenden Fakten wie folgt dar:

Von der Größenordnung her dürfte eine dreizügige Grundschule mit ca. 300 Schülern für Wurzen kein großes Problem darstellen, denn Kindereinrichtungen vergleichbaren Umfangs gibt es hier bereits: In der Kita Sonnenschein werden derzeit rund 350 Kinder betreut (53 Krippen-, 127 Kindergarten- und 170 Hortkinder), die Kita Knirpsenland hat eine Kapazität von 276 Kindern (Krippe 48, Kindergarten 108 und Hort 120 Kinder).

Auch das mehrfach angesprochene Problem der Inklusion sollte man in den Griff bekommen, denn eine behindertengerechte Grundschule ist mit der Diesterweg-GS bereits vorhanden und die eher kleinen Räumlichkeiten, die derzeit von der Musikschule genutzt werden, können sehr gut für die evtl. notwendige Einzelbetreuung und spezielle Förderung benachteiligter Kinder eingerichtet werden.

Überhaupt scheinen die Möglichkeiten im Schulgebäude in der Querstraße recht vielseitig zu sein, laut Berechnung der verantwortlichen Mitarbeiterin der Stadtverwaltung, Konstanze Mucke, stünden nach dem Auszug der Musikschule über die vom Gesetz für Grundschule und Hort geforderte Mindestzahl an Räumlichkeiten hinaus noch rund 700 m² für ergänzende Angebote bereit. Dies würde vermutlich in einem reinen Neubau anders sein, da hier nur die gesetzlich vorgeschriebenen Räumlichkeiten förderfähig wären. Ähnlich großzügig könnte das rund 16.000 m² große Außengelände gestaltet werden, das genügend Platz für Sporthalle, Spielplatz, Schulhof, Schulgarten und Stellplätze bieten würde.

Auch das Thema Flexibilität muss vor dem Hintergrund veränderter Rahmenbedingungen geprüft werden: Bisher waren drei Grundschulen und damit drei Schulbezirke im Stadtgebiet der Garant dafür, dass fast jedes Jahr sechs neue Grundschulklassen mit meist recht komfortablen geringen Klassenstärken gebildet werden konnten. Dies hat sich jedoch mittlerweile geändert – da von der Bildungsagentur bei gleicher Gesamtschülerzahl nur noch für fünf Klassen Lehrer bereitgestellt werden, können auch künftig, unabhängig von den Schulbezirken, nur noch fünf Klassen neu gebildet werden.

Was das im Einzelfall bedeutet, zeigt sich an aktuellen Zahlen: Laut Angabe der Sternwarte-Grundschule gibt es dort fürs neue Schuljahr bereits 60 Anmeldungen, das bedeutet, da nur 28 Schüler in eine Klasse dürfen, es müssen Schüler abgelehnt werden und die zwei zu bildenden Klassen werden die maximale Stärke haben. In der Diesterweg-GS wird dieses Jahr nur eine Klasse aufgemacht, diese wird also voraussichtlich ebenfalls die maximale Schüleranzahl von 28 haben. In der Ringelnatz-GS werden sich die „restlichen“ Schüler des Jahrgangs über weit bessere Lernbedingungen mit geringen Klassenstärken freuen können. Bei einer Konzentration auf nur noch zwei Schulbezirke wäre die Stadt vermutlich weit besser in der Lage, dies so zu steuern, dass alle fünf Klassen ähnliche Schülerzahlen und damit ähnliche Lernbedingungen bekommen.

Nachteile bringt die Konzentration auf zwei Standorte vor allem für die Roitzscher Kinder. Diese hätten einen längeren und von den Verkehrsbedingungen her nicht so sicheren Schulweg wie bisher. Lösungen dafür sollen laut Aussage des zuständigen Fachbereichsleiters Carl-Heinz Kraft zwar kompliziert, aber möglich sein, für die Schüler, deren Schulweg 2 km übersteigt, müsste ggf. eine Schulbuslinie eingerichtet werden.

Vorteile hätten vor allem die Schüler der derzeitigen Ringelnatz-Grundschule. Derzeit müssen sie zum Sportunterricht in die Stadtsporthalle laufen, was neben den unvermeidlichen Unbequemlichkeiten für die Schüler auch die verfügbare Unterrichtszeit verringert. Der geplante Neubau einer Dreifeldhalle mit Zuschauerplätzen würde auch den Sportvereinen der Stadt vor allem für die Ausrichtung von Wettkämpfen und Veranstaltungen viele neue Möglichkeiten geben. Der notwendige Bau einer Turnhalle für die Ringelnatz-GS würde ansonsten, selbst wenn man nur eine kleinere Halle plant, mehr oder weniger in die Ferne rücken. Zudem schließt das Vorhaben „Bildungszentrum Nord“ auch die Neugestaltung der Außenanlage der Ringelnatz-GS für über 1 Mio. Euro ein, die derzeit mehr oder weniger aus einer großen Schotterfläche besteht.

Eine gewichtige Rolle in den Überlegungen werden aber wohl generell die finanziellen Möglichkeiten der Stadt für die Umsetzung der verschiedenen Varianten spielen, und darüber wird zum großen Teil in Dresden entschieden. Vom Kultusministerium wird den Kommunen als Zielgröße bei den Klassenstärken die Zahl von 25 Kindern vorgegeben, entsprechend hat die Stadt Wurzen die Auflage, trotz infolge der wachsenden Attraktivität der Stadt steigender Kinderzahlen die Anzahl der Klassen auf 5 zu verringern. Da das Ministerium für alle Förderbescheide eine fachliche Prüfung abgibt, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nur für die Bereitstellung materieller Grundlagen für fünf Klassen Fördergelder bereitgestellt. Wurzen hat bereits zwei Grundschulen, die zweizügig laufen, entsprechend würden mit ziemlicher Sicherheit für einen Neubau der Sternwarte-GS lediglich Fördergelder für eine einzügige Grundschule bewilligt werden.

Die Entscheidung über die Zukunft der Wurzener Grundschulen wird der Stadtrat am kommenden Dienstag, dem 07. März 2017 treffen, die öffentliche Sitzung findet im Stadthaus im Plenarsaal statt und beginnt um 18:00 Uhr.

2 Kommentare

  1. Anja Töpler

    3. März 2017 at 14:02

    Der Artikel ist viel zu positiv geschrieben. Es blieben nach der Bürgerfragestunde unzählige Fragen offen. Auch das abrupte Ende, verwies noch so manchen Fragesteller ins Unklare. Zudem war das vorgelegte Konzept fachlich wirklich dürftig. Eine klare Aussage zum Raumkonzept und Kostenschätzungen nach Gruppen gab es nicht,lediglich diese grobe pro Kopf Rechnung! Für die Stadträte wird das eine schwere Entscheidung, den so oder so wird es noch sehr viele Probleme geben! Vielleicht wäre das auch ein Ansatz, zu entscheiden welches das kleinere Übel ist…

  2. Jens Keil

    6. März 2017 at 07:59

    Dass Lösungsvarianten seit 2 Jahren bestehen, steht außer Frage. Nur ebenso außer Frage steht, dass für eine Lösung, für die es letztes Jahr ein klares Bekenntnis des Ausschusses gab, die erforderlichen Haushaltsmittel bereits eingestellt wurden. Die Lösung, die jetzt zum Beschluss ansteht, ist gerade einen Monat alt und kam für die meisten Beteiligten und Entscheidungsträger völlig überraschend.

    Klar klingt die gut. Aber in der derzeitigen Form von geschätzten Zahlen und Skizzen, die nachweislich nicht stimmen, wie sie gezeigt wurden, kann man doch bitte keinen so weitreichenden Beschluss fassen.

    Auch wurden nicht viel Antworten gegeben, sondern eher nicht gegeben. Die wiederholten Aussagen des Herrn OBM waren eindeutig: Es sind nur Skizzen, es war eine Idee einer Mitarbeiterin, die Zahlen sind geschätzt. Wir kämpfen auch schon lange nicht mehr um den Erhalt der GS Sternwarte, sondern im Allgemeinen um den Erhalt dreier Grundschulen. Dahinter stehen die Elternschaften aller drei Grundschulen. Und die KiTas. Und die Wurzener Bevölkerung, soweit ich ins Gespräch kam.

    Aber es muss eben eine tolle Sporthalle und die Projektion am Wasserturm (der wievielte verzweifelte Versuch ist das eigentlich seit der Wende? Warum hat bisher dort nichts funktioniert und wieso sollte es ausgerechnet jetzt funktionieren?) mit der Schulzukunft „verrechnet“ werden.

    Wir haben volle Klassen, wir haben noch 13 Schüler als Puffer. Wir haben keine Flexibilität mehr, keine Reserve. Grundstück weg, und bleibt weg. Unsere Geburtenabteilung im Khs Wurzen belegt steigende Zahlen. Wider jeder Voraussage steigt auch die Einwohnerzahl von Wurzen (Aussage Stadt). Und wenn ich auf die explodierenden Zahlen schaue, die gleichzeitig zutreffen auf die Bevölkerungszahl von Leipzig sowie auf den Wegzug aus Leipzig in den Landkreis, wird mir hinsichtlich des Vorhabens schlecht. Ich tue das nicht für mich, nicht für meine Kinder, die sind beide aus der Grundschule raus bis dahin. Dann lehne ich mich lächelnd zurück und schaue mir an, wie man scheitern kann, wenn nur ein Projekt der Kette kippt. Wenn die Rechnungslegung erfolgt. Wenn die Schülerzahlen steigen. Wenn man Baugrund für eine Schule in Wurzen sucht. Wir werden irgendwann mal drüber reden, Frau Mathiebe. Bin ich mir sicher.

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