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Gemeinsam Energie gewinnen – vier Kommunen gründen Wurzener Land-Werke

Von am 21. Juni 2016

Der 20. Juni 2016 wird wohl als Meilenstein in die Geschichte des Wurzener Landes eingehen: Zum ersten Mal haben sich in Thallwitz die Stadt- und Gemeinderäte aller vier beteiligten Kommunen zu einer gemeinsamen Sitzung zusammengefunden und mit dem Beschluss zur Gründung der Wurzener Land-Werke GmbH die wirtschaftliche Basis für ihre künftige Zusammenarbeit geschaffen. Unter dem Dach der 100 % kommunalen Gesellschaft sollen nun gemeinsam mit jeweils dafür geeigneten Partnern Tochterunternehmen gegründet werden mit dem Ziel, Dienstleistungen der Daseinsvorsorge, insbesondere auf dem Energiesektor, zu erbringen.

Dazu gehört z. B. der gemeinsame Energieeinkauf für die Kommunen mit finanziellen Vorteilen sowohl für die kommunalen Liegenschaften wie auch, über den Vertrieb von Wurzener Land-Energie, für die privaten Verbraucher der Region. Hinzu kommt die Umsetzung von kommunalen Energieeffizienz- und Erzeugerprojekten, beispielsweise durch Errichtung und Betrieb von Nahwärmenetzen und Anlagen erneuerbarer Energie, vor allem zur Deckung des Eigenbedarfs der Region. Auch Energieprojekte für die Bürgerschaft, beispielsweise Bürgersolaranlagen, sollen gemeinsam angegangen werden. Wichtiges Ziel ist zudem die Sicherstellung einer leistungsfähigen Breitbandversorgung mit einem geeigneten Partnerunternehmen.

Welche Chancen die Energiewende gerade für die ländlichen Gemeinden bergen könnte, zeigte Prof. Peter Heck vom Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) u. a. am Beispiel von Biomassekraftwerken. Rohstoffe aus der Region wie z. B. Grün- und Gehölzschnitt, Reststoffe aus der Landwirtschaft und Gülle aus der Tierproduktion, die bisher zum Teil kostenaufwendig entsorgt werden müssen, könnten zur Energiegewinnung möglichst nah am Verbraucher verwendet werden. Unter dem Motto von Friedrich Wilhelm Raiffeisen: „Das Geld des Dorfes dem Dorfe“ können so Stoff- und Energieströme innerhalb der Region verbleiben. Erfolgreiche Projekte dieser Art zeigen, dass durch gemeinsames Handeln der lokalen Akteure nicht nur Kosteneinsparungen bei der Energieerzeugung möglich sind, sondern auch positive Effekte für Handwerks- und Agrarbetriebe entstehen, neue Arbeitsplätze geschaffen werden und die Kaufkraft in der Region wächst.

Auch für umstrittene Themen wie z. B. die Nutzung von Wind- und Wasserkraft sollen gemeinsam Möglichkeiten gefunden werden, damit daraus nicht nur evtl. belastende Auswirkungen für die Region entstehen, sondern die energetischen und wirtschaftlichen Effekte für die Bürgerschaft und die Kommunen nutzbar werden. Erträge aus solchen Anlagen könnten insbesondere für Investitionen in die ländlichen Strukturen, z. B. für ergänzende Angebote zur Mobilität, verwendet werden.

Über den Energiesektor hinaus sind weitere Themen der Daseinsfürsorge als Aufgaben für Tochterunternehmen der Wurzener Land-Werke angedacht. Dazu gehören u. a. Angebote zur E-Mobilität, die Abwasserbehandlung oder eine gemeinschaftliche Organisation der kommunalen Bauhöfe. Selbst die Errichtung und Betreibung von sozialen und Bildungseinrichtungen wie Kitas oder Schulen könnte künftig unter dem Dach der kommunalen Holding stattfinden. Die Entscheidung zur Gründung der Wurzener Land-Werke GmbH fiel bei den Thallwitzer und Bennewitzer Gemeinderäten einstimmig aus, die Räte von Lossatal (3 Nein-Stimmen und 2 Enthaltungen) und Wurzen (4 Nein-Stimmen) stimmten dem Beschlussvorschlag mit großer Mehrheit zu.

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