Aktuell

Keine Vorfahrt für Kinder

Von am 25. Mai 2016

Die Vorbereitungen in Kühren laufen auf Hochtouren – am 03. Juni soll der Zirkus ins Dorf kommen. Und zwar ohne wilde Tiere, dafür mit ganz vielen Kindern. Seit vielen Wochen werden in der Kita Rüsselchen Ideen gesammelt, Musik ausgesucht, Kostüme entworfen und natürlich fleißig geübt und die kleinen Clowns, Zauberer, Schlangenbeschwörer, Löwen, Pferdchen, Bauchtänzerinnen und all die anderen Zirkuskünstler freuen sich schon auf ihren großen Auftritt in der Manege am Spielplatz.

Vor dem Auftritt wollen die Zirkusleute ihr Publikum in Kühren mit einem großen Festumzug zum Mitfeiern einladen. Auch dafür ist alles vorbereitet, von der mobilen Musikanlage bis zum Fahrzeug, das den Dorfelefanten an der Spitze des Zuges fahren wird. Rechtzeitig ist auch die Anmeldung bei den zuständigen Behörden der Stadt Wurzen erfolgt. Doch nun kam die Hiobsbotschaft aus dem Stadthaus: Seitens der Polizei sei mitgeteilt worden, dass man kein Personal habe, um den Festumzug zu begleiten. Statt der Straße solle deshalb für den Umzug der Bürgersteig genutzt werden.

Katja Zschernack, bei der sämtliche organisatorischen Fäden zusammenlaufen, ist verzweifelt. „Der Festumzug ist einer der Hauptbestandteile des ganzen Festes. Beim Indianerfest im letzten Jahr sind mehr als 150 Leute mitgelaufen, die meisten davon Kinder, wie soll das gehen, wenn nur der Bürgersteig genutzt werden kann?“ Durch Erzieher und Eltern könne so etwas keinesfalls abgesichert werden, ohne polizeiliche Unterstützung müsse der Festumzug mit hoher Wahrscheinlichkeit abgesagt werden, fürchtet die Vorsitzende des Organisationsteams.

Die Enttäuschung ist groß in Kühren. „Offenbar spielen die Kinder in der Hierarchie unserer Freunde und Helfer nur die zweite Geige. Hundertschaften an Polizei werden aufgeboten, um Hooligans und fanatische Fußballfans daran zu hindern, sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen und wenn die NPD in Wurzen eine Demonstration anmeldet, steht der ganze Markt voll mit Polizeifahrzeugen.“, schimpft Katja Zschernack.

Falk Donner, Leiter des zuständigen Polizeireviers Grimma, will das nicht so stehen lassen. Selbstverständlich lägen der Polizei auch die Kinder am Herzen, aber man müsse entsprechend der prognostizierten Gefahrenlage Prioritäten setzen. Wie er auf Anfrage von Muldental-Nachrichten mitteilte, habe es seitens der Polizei eine Gefahrenabschätzung gegeben mit dem Ergebnis, dass eine Polizeibegleitung hier nicht geplant ist. Man sehe in erster Linie den Veranstalter selbst in der Pflicht, für die Sicherheit zu sorgen. Seine Dienststelle habe der zuständigen Erlaubnisbehörde, also der Stadt Wurzen, zugearbeitet, inwieweit die Polizei tätig werden kann oder nicht und inwieweit es von der Erlaubnisbehörde beauflagt werden soll, wie die Veranstaltung durchzuführen ist.

Ein entsprechender Bescheid der Stadt Wurzen liegt den Kührenern derzeit noch nicht vor. Man wolle aber auf jeden Fall versuchen, mit eigenen verfügbaren Ressourcen und ggf. mit städtischer Hilfe für ausreichend Sicherheit zu sorgen, damit der Festumzug doch noch stattfinden kann, so Katja Zschernack.

Foto: Beim Festumzug im letzten Jahr waren mehr als 150 Leute auf der Straße unterwegs.

Aktualisiert am 27.05.2016:

Wie aus dem Organisationsteam zu erfahren war, ist es gestern gelungen, gemeinsam mit der Wurzener Stadtverwaltung eine Lösung zu finden, wie der Festumzug auch ohne polizeiliche Unterstützung abgesichert werden kann. Die Route ist so verändert worden, dass nur eine relativ kurze Strecke entlang einer befahrenen Straße führt, dieses Streckenstück wird mithilfe des Bauhofs für die Zeit des Umzugs abgesperrt. Die Absicherung des Zuges erfolgt mit Unterstützung der örtlichen Feuerwehr und freiwilliger Helfer.

Kommentar verfassen