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Hohe Wogen – simple Fakten

Von am 19. März 2016

Die Wogen um die Zukunft des Wurzener Ringelnatzhauses schlugen in den letzten Tagen erneut hoch. In sozialen Netzen, in der Ortspresse.
Die simplen Fakten dagegen sind eher unspektakulär: Im November letzten Jahres fasste der zuständige Ausschuss für den KulturBetrieb Wurzen den Beschluss, den Verkauf des stark sanierungsbedürftigen Gebäudes zu prüfen. Vorangegangen waren jahrelange fruchtlose Diskussionen darüber, wie die Stadt mit der Immobilie umgehen solle sowie die Erkenntnis, dass Stadt und KulturBetrieb eine weitere Kulturstätte nicht betreiben können und letztendlich das Haus nicht erhalten werden kann, solange es sich im Besitz der Stadt befindet.

Auf Grundlage des Beschlusses gab die Stadt ein Wertgutachten in Auftrag, das der Stadtverwaltung mittlerweile vorliegt und das Oberbürgermeister Jörg Röglin pflichtgemäß den Stadträten im Betriebsausschuss des KulturBetriebs Wurzen, nachvollziehbar in nichtöffentlicher Sitzung, vorstellte. Einer entsprechenden Pressemeldung ist zu entnehmen, dass im Ergebnis der Diskussion dazu nun die Ausschreibung für den Verkauf vorbereitet werden soll und es zu diesem Zweck einen Sonderausschuss geben wird, in dem die Abgeordneten die Kriterien der Ausschreibung festlegen und damit auch Schwerpunkte für eine mögliche spätere Nutzung des Geburtshauses von Joachim Ringelnatz setzen werden.

Verändert hat sich dadurch an der Gemengelage im Prinzip nichts. Hauptanliegen sei – laut Stadt – nach wie vor der Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes. Eigens dafür hatte die Stadt im Vorfeld das SOP-Fördergebiet um das Ringelnatzhaus erweitert, sodass entsprechende Fördergelder bereitstehen, die sowohl von der Stadt, als auch von einem eventuellen privaten Investor oder Verein in Anspruch genommen werden können. Auch die bereits geplanten Eigenmittel der Stadt stehen weiterhin zur Verfügung. Allerdings besteht auch weiterhin eine Finanzierungslücke, die noch geschlossen werden muss. All dies ist von der Stadt auch bisher schon so kommuniziert worden.

Wie Oberbürgermeister Jörg Röglin auf Anfrage mitteilte, steht die Stadt Wurzen zudem nach wie vor hinter dem Angebot an den Ringelnatzverein, im Falle der Übernahme des Hauses einen Betriebskostenzuschuss in Anspruch zu nehmen, ähnlich wie das z. B. beim Roitzscher Gemeindezentrum gehandhabt wird. An der Aussage, dass es auch für die Stadt die beste Lösung wäre, das Haus zur Nutzung als Kulturstätte an den Verein zu übergeben, dürfte sich demnach ebenfalls nichts geändert haben, zumal die Bemühungen der Ringelnatzfreunde um eine tragfähige Konzeption und Finanzierung auch von Stadträten und Oberbürgermeister mehrfach ausdrücklich begrüßt wurden.

In welchem Rahmen eine solche Übernahme möglich ist, wie tragfähig die erarbeiteten Konzeptionen sein werden und ob das Haus letztendlich mithilfe privater Investoren, durch Vereine oder auf andere Weise erhalten und betrieben wird, muss die Zukunft zeigen, die Rahmenbedingungen dafür wird der geplante Sonderausschuss für den KulturBetrieb festlegen.

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