Aktuell

Im Sinne des Ringelnatzhauses

Von am 1. Dezember 2015

Das Ringelnatz-Geburtshaus ist in Gefahr – unter dieser Überschrift wendet sich der Joachim-Ringelnatz-Verein Wurzen e. V. in einem offenen Brief an alle Ringelnatz-Freunde in Deutschland, an Institutionen der Literatur, der Malerei und des Kabaretts, an alle Kulturverantwortlichen in Sachsen und im zuständigen Kulturraum. Ziel des Aufrufs ist, den von der Stadt in Erwägung gezogenen Verkauf des Hauses an einen privaten Investor (MN berichtete) zu verhindern. Stattdessen soll – auch mit privater Hilfe – eine Lösung für die Nutzung als Ringelnatz-Geburtshaus gefunden werden sowie Mittel für die Sanierung und Betreibung des Hauses akquiriert werden.

Die Begründung: „Aus der Sicht des Joachim-Ringelnatz-Vereins Wurzen, der sich seit fast 25 Jahren für die Sanierung und Nutzung des Hauses für die Erbe-Pflege einsetzt, verschleudert die Stadt hier nicht nur ihr bestes Tafelsilber. Sie bricht vor allem mit der langen Tradition, dem Werk und Erbe des im Nationalsozialismus verfemten und in die Armut getriebenen großen Künstlers in seiner Geburtsstadt Heimat zu geben.“

Mittlerweile sind im Stadthaus erste Reaktionen eingegangen. „Bislang gab es eine Hand voll E-Mails. Die meisten interpretieren die Verkaufs-Option im Zusammenhang mit der Haushaltslage. Geld ist jedoch überhaupt nicht der Anlass für diese Entscheidung. Vielmehr haben die Stadträte, nachdem jahrelang um Konzepte gerungen und nichts erreicht wurde, eine Möglichkeit öffentlich in Erwägung gezogen, die bislang stets Tabu war“, erklärt Stadtoberhaupt Jörg Röglin. Wurzen gehe es keineswegs vorrangig um Verkauf, sondern um eine tragfähige Nutzung des Ringelnatzhauses. „Es bringt nichts, Wolkenkuckucksheime zu bauen und von außen für die Stadt eine nächste Kultureinrichtung zu fordern“, sagt der Oberbürgermeister. Viel mehr als starke Worte wünsche er sich von den Kritikern, dass sie zupacken und aus dem Haus etwas machen. Die Option habe gestanden. “Wurzen hat, was die Sanierung und Nutzung durch einen Verein betrifft, durchaus sehr gute Erfahrungen“, verweist er auf das mittlerweile intakte Dorfgemeinschaftshaus im Ortsteil Roitzsch. Dort habe, unter Federführung des Frauenvereins L.U.I.S.E., das ganze Dorf mit angepackt und aus einer vermüllten Ruine ein Schmuckstück gemacht.

Auch mit dem Ringelnatzverein und anderen Gemeinschaften der Stadt war diese Möglichkeit diskutiert worden. „Leider gelangt es dem Verein nicht, sich entsprechend zu organisieren und Unterstützer zu mobilisieren. Vielleicht bringt die derzeitige Debatte noch einmal neue Kraft. Ein Ringelnatzhaus, welches durch Vereine der Stadt lebt und von diesen verbindlich genutzt wird, wäre das Optimum“, lässt er Möglichkeiten offen. Was seiner Meinung nach aber zum Erhalt des Hauses am wenigsten beitrage, seien ständig markige Forderungen an andere. „Dieses Hickhack hören wir seit Jahren. Davon wird das Gebäude nicht besser. Wir hören auch immer wieder den Traum vom nächsten Museum. Das ist keineswegs tragbar, zumindest nicht durch die Stadt. Und das wissen die Beteiligten auch. Dann sind mir unpopuläre Anregungen lieber, die zumindest die realistische Chance auf eine Nutzung und damit den Erhalt des Hauses haben. Insofern hat der Ausschuss sich nicht gegen Ringelnatz, sondern für ihn entschieden“, sagt Röglin.

Dass der Betrieb eines weiteren Kulturobjektes durch die Stadt Wurzen selbst nicht übernommen werden kann, weiß auch der Ringelnatz-Verein. Immerhin betreibt der städtische KulturBetrieb neben Tourist-Information, Kulturhaus Schweizergarten und Bibliothek auch noch das Museum, in dem u. a. die Ringelnatz-Sammlung untergebracht ist. Darüber hinaus leistet sich Wurzen eine Galerie, für deren Erhalt die Stadt auf Initiative der CDU-Fraktion seinerzeit erhebliche finanzielle Mittel eingesetzt hat.

An der Bereitschaft des Vereins, auch selbst Verantwortung zu übernehmen, soll der Erhalt des Ringelnatz-Geburtshauses, wie Vereinsvorsitzende Viola Heß auf Anfrage von MN mitteilte, jedoch nicht scheitern. Sowohl bei der Sanierung wie auch beim künftigen Betreiben des Hauses will der Verein aktiv werden: „Uns schwebt eine Partnerschaft zur Sanierung von privat, Kommune, Verein und ein Betrieb mit staatlicher Unterstützung über Projekte vor. Dazu gibt es derzeit Gespräche mit der Kulturstiftung Sachsen und dem Kulturraum.“ Derzeit sammelt der Verein bundesweit Modelle, nach denen Sanierung und Betrieb des Hauses realisiert werden könnten.

Zu hoffen ist, dass der Hilferuf des Ringelnatz-Vereins nun den Ansporn für potenzielle Sponsoren und Unterstützer gibt, sich nicht nur verbal, sondern auch materiell und tatkräftig für den Erhalt des Ringelnatz-Geburtshauses einzusetzen. Konzepte und Willensbekundungen allein jedenfalls werden den Verkauf des Hauses an einen privaten Investor nicht stoppen können.

4 Kommentare

  1. Jochen Ziska

    2. Dezember 2015 at 09:44

    Wer ist Frau Mathiebe? Sprachrohr des OBMs? Will sich Frau Mathieb zur Pressesprecherin qualifizieren? Der Artikel ist voller Widersprüche. Halbwahrheiten und Verdrehungen sind auch Lüge!

  2. mnredaktion

    2. Dezember 2015 at 10:01

    Sehr geehrter Herr Ziska. Danke für ihren wenig hilfreichen und polemischen Kommentar. Wir würden gern konkret und konstruktiv mit Ihnen in die Diskussion einsteigen, dies ist allerdings mit diesen Zeilen weniger möglich. In diesem Sinne: Gern konstruktiv und kritisch – gerade eine kontroverse Diskussion befördert eine Meinungs- und Diskussionsvielfalt.

    • Jochen Ziska

      3. Dezember 2015 at 12:20

      Danke für die Rückinfo. Wenn Sie mir bitte auch verraten würden wer namentlich hinter dem Sammelbegriff mnredaktion sich verbirgt, könnten wir weiter kommunizieren, denn ihr Impressum ist auch nicht aufschlussreich, eigentlich unüblich.
      M.f.G.
      Jochen Ziska

      • mnredaktion

        6. Dezember 2015 at 17:23

        Sehr geehrter Herr Ziska,
        unser Ziel ist es, die Leser möglichst umfassend zu informieren, damit sie sich eine eigene Meinung bilden können. Dazu gehört auch, dass wir, wenn wir etwas veröffentlichen, worin jemand kritisiert oder angegriffen wird, wie z. B. in dem offenen Brief des Ringelnatz-Vereins, dem Angegriffenen/Kritisierten, in diesem Fall der Stadt Wurzen, die Möglichkeit geben, dazu Stellung zu nehmen, und zwar im gleichen Artikel. Nur so kann der Leser beide Seiten hören und sich ein eigenes Bild machen. In unserem Beitrag ist die Sachlage dargestellt, der offene Brief des Ringelnatz-Vereins als Link beigefügt, eine Stellungnahme des Wurzener Oberbürgermeisters und auch noch eine Stellungnahme der Vorsitzenden des Ringelnatz-Vereins dazu enthalten. Die Stellungnahme von Herrn Röglin stammt übrigens aus einer Pressemeldung der Stadt Wurzen, die uns von der Pressesprecherin Cornelia Hanspach geschickt wurde und an sämtliche Presseorgane der Region gegangen ist.
        Hinsichtlich Ihrer Behauptung, unser Beitrag enthalte Lügen, dürfen unsere Leser und wir wohl eine Präzision bzw. Belege dazu von Ihrer Seite erwarten.
        Mit freundlichen Grüßen
        Sylke Mathiebe

Kommentar verfassen