Aktuell

Ringelnatzhaus: Wegweisende Entscheidung

Von am 18. November 2015

Die Entscheidung zum weiteren Umgang mit dem Ringelnatz-Geburtshaus war einstimmig – ein Novum in der Geschichte der bereits jahrelang andauernden und immer kontrovers geführten Diskussion. Und auch die Entscheidung selbst hat wohl niemand vorausgesehen: Die Stadtverwaltung hat vom Kulturbetriebsausschuss den Auftrag erhalten, den Verkauf des denkmalgeschützten Gebäudes an einen privaten Investor zu prüfen.

Ziel der Stadt Wurzen, auch darin waren sich alle einig, ist die unbedingte Erhaltung des Gebäudes und der Wunsch, dass wieder Leben dort einzieht. Mehrere Varianten einer künftigen Nutzung sind in Vorfeld diskutiert worden, so zuletzt als „Haus der Vereine“ mit der Tourist-Information im Erdgeschoss. Diese Variante würde rund 750.000 Euro an Sanierungskosten verursachen, die Gesamtfinanzierung ist jedoch nicht gesichert, da die WGW vom Kauf des benachbarten Grundstücks Abstand genommen hat, Kaufsumme und damit Finanzierungslücke rund 90.000 Euro. Bereits im August 2011 gab es einen Beschluss, das Ringelnatzhaus im Sinne eines Museums als „Forschungs- und Begegnungsstätte“ zu entwickeln, Kosten ca. 1,5 Mio. Euro, auch hierfür wurde keine tragfähige Finanzierungsmöglichkeit gefunden.

In der aktuellen Sitzung des Kulturbetriebsausschusses lag den Stadträten nun ein neuer Vorschlag vor. Als alternative Variante sollte entsprechend eines Auftrages aus dem Ältestenrat die Nutzung des Gebäudes als städtische Kindertageseinrichtung hinsichtlich des nötigen Investitionsvolumens, Fördermöglichkeiten und künftiger Betriebs- und Unterhaltungskosten geprüft werden. Die Idee dahinter sei, so Oberbürgermeister Jörg Röglin, dass auf jeden Fall eine Nutzung als Gemeinbedarfseinrichtung nötig ist, damit die für die Finanzierung unabdingbaren Fördergelder aus dem SOP-Programm abgerufen werden können. Eine Kindereinrichtung würde diesen Vorgaben entsprechen und wäre somit auf jeden Fall förderfähig.

Sorgen bei dieser Variante bereiteten den Stadträten vor allem die erwarteten hohen Kosten für den Umbau des Gebäudes, da an Kita-Bauten besondere Qualitätsstandards angelegt werden, was in einem denkmalgeschützten Altbau durchaus Schwierigkeiten verursachen könnte. Zusätzliche Unsicherheiten gab es in Bezug auf die Eignung des Gesamtareals, zum einen wegen befürchteter Einsprüche seitens der Anwohner, zum anderen in Bezug auf benötigte Grün- und Parkflächen.

Die Wende in der Diskussion brachte schließlich der Vorschlag von Sven Hinneburg (CDU), das Ringelnatz-Geburtshaus in Privathand zu verkaufen. Das Haus sei derzeit keine Kulturstätte, ein Verkauf könne aber dafür sorgen, dass die bestehenden Kultureinrichtungen der Stadt erhalten werden könnten. Dass das Haus als weitere Kulturstätte von Stadt und KulturBetrieb nicht betrieben werden könne und auch nicht finanzierbar sei, fand auch Kathrin Gehres-Kobe (CDU). Wichtig sei ihr dabei aber, dass ein Verkauf nicht das Todesurteil für das Haus bedeute, sondern im Gegenteil das Überleben sichern könnte.

Ein Verkauf, so der Oberbürgermeister, der natürlich eine vertraglich vereinbarte verbindliche Investitionszusage des Käufers beinhalten müsste, würde tatsächlich alle bestehenden Probleme lösen. Es habe zwar in der Vergangenheit viele Ideen und Vorschläge gegeben, u. a. auch das Angebot an den Ringelnatzverein, das Haus, ähnlich wie die Roitzscher Vereine das dortige Gemeindezentrum, mit Unterstützung der Stadt in Trägerschaft zu übernehmen, letztlich habe aber niemand die Verantwortung schultern wollen. Die Diskussion müsse jetzt auf jeden Fall geführt und beendet werden, damit das für die Ringelnatzstadt so wichtige Haus erhalten werden könne. Dieses Ziel sei mit den bisher diskutierten Varianten nicht machbar.

Ob sich tatsächlich in absehbarer Zeit ein Investor findet, der dem prestigeträchtigen Gebäude zu neuem Glanz verhilft und es mit Leben füllt, muss die Zukunft zeigen. Ganz schlecht stehen die Chancen nicht, immerhin kann auch ein privater Investor mit Fördergeldern aus dem SOP-Programm rechnen. Positiv zu werten sind auf jeden Fall die insgesamt sehr konstruktiv verlaufene Diskussion zum Thema und die Tatsache, dass sich Stadträte, Oberbürgermeister und KulturBetriebs-Leiterin Bettina Kretzschmar, der nach eigenen Worten mit diesem Beschluss „ein Stein vom Herzen gefallen“ ist, zum ersten Mal wirklich einig geworden sind.

Ein Kommentar

  1. Pingback: Im Sinne des Ringelnatzhauses - Muldental Nachrichten - Muldental Nachrichten

Kommentar verfassen