Aktuell

Willkommenskultur auch in Wurzen

Von am 21. September 2015

Eine Willkommenskultur für Flüchtlinge zu schaffen ist das Ziel, mit dem im November 2014 von engagierten Wurzener Bürgerinnen und Bürgern das „Unterstützungsnetzwerk für Asylsuchende im Wurzener Land“ gegründet wurde. Wie wichtig ein solches bürgerschaftliches Engagement ist, zeigt sich besonders in der derzeitig sehr angespannten Situation. Auch nach Wurzen kommen immer mehr Flüchtlinge, die aus Kriegs- und Krisengebieten fliehen mussten oder wegen Armut und der Hoffnung auf ein besseres Leben ihre Heimat verlassen haben.

Derzeit finden laut Oberbürgermeister Jörg Röglin in der Stadt Wurzen und den Ortsteilen ca. 90 Asylsuchende Obdach, bis zum Jahresende würden weitere 130 Flüchtlinge erwartet. Diese würden nicht in Massenunterkünften, sondern in durch den Landkreis Leipzig angemieteten Wohnungen untergebracht. Den Vorteil dieser dezentralen Unterbringung, an der sich auch zukünftig nichts ändern soll, sehe er vor allem darin, dass durch die enge Nachbarschaft zu den Wurzener Einwohnern eine schnellere Integration möglich ist, so der Oberbürgermeister.

Dass es dabei natürlich auch zu Konflikten kommen kann, liegt auf der Hand, immerhin kommen die meisten Flüchtlinge aus Ländern mit anderer Kultur, Sprache und Tradition und müssen unsere Sprache und den korrekten Umgang mit Behörden, Normen und Regelwerken erst lernen. Hilfen dazu leistet das Unterstützungsnetzwerk für Asylsuchende, das sich mittlerweile als feste Gruppe von ca. 10 bis 15 Aktiven aus Wurzen und der näheren Umgebung etabliert hat. In enger Zusammenarbeit mit der Stadt Wurzen, den Verantwortlichen im Landratsamt und der Flüchtlingssozialarbeit beim DRK vermittelt das Netzwerk unbürokratisch vor Ort Hilfe, egal ob für Behördengänge oder Elternabend kurzfristig ein Dolmetscher benötigt wird, ein geeigneter Sportverein für Kinder oder eine Wickelkommode gesucht wird. Als erste Informationsquelle für die in Wurzen Ankommenden ist bereits eine Broschüre mit im Alltag wichtigen Hinweisen und Ansprechpartnern erarbeitet worden, die in mehreren Sprachen gedruckt wird.

Treff- und Anlaufpunkt des Netzwerks ist das Kultur- und BürgerInnenzentrum D5 am Domplatz (Foto). Jeden Dienstag finden hier mehrere, von ehrenamtlichen Helfern durchgeführte Sprachkurse statt, individuell auf die jeweiligen Vorkenntnisse der Teilnehmer zugeschnitten. Mittwochs 14:00 bis 16:00 Uhr kommen Asylsuchende zum Begegnungstreff, der von zwei Wurzenerinnen begleitet wird. Eine sehr gute Zusammenarbeit entwickelte sich mit der Grundschule „An der Sternwarte“, wo Ehrenamtliche nachmittags mit Kindern Deutsch lesen, um ihre Sprachkompetenzen weiterzuentwickeln. Auch Sachspenden werden im D5 entgegengenommen, obwohl aufgrund der deutlich gewachsenen Spendenbereitschaft der Wurzener Bevölkerung die Raumkapazitäten so langsam an ihre Grenzen kommen. Weitere Unterstützer sind im D5 herzlich willkommen und können sich unter team@ndk-wurzen.de oder der Telefonnummer 03425-852710 melden.

Auch auf Gemeinde- und Landkreisebene müsse die Zusammenarbeit noch intensiver werden, so Jörg Röglin, der wie andere kommunale Verantwortungsträger auch mahnt, dass Bund und Länder die Kommunen mit der übertragenen Verantwortung für die Hilfesuchenden nicht alleine lassen dürften. Die katastrophalen Verhältnisse im Zeltlager in der Landeshauptstadt Dresden beispielsweise zeigten, dass selbst große Kommunen mittlerweile an den Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit seien. Wichtig sei zudem, dass die Kommunikation zwischen Landkreis und Kommune intensiv ist und eine stärkere Vernetzung zwischen den Kommunen selbst erfolgt. Gemeinsam mit den Nachbarn in Bennewitz, Thallwitz und Lossatal werde deshalb derzeit ein entsprechendes Netzwerk vorbereitet.

Ansprechpartner bei Fragen, Hinweisen oder Problemen finden Wurzener Einwohner u. a. bei der Ausländerbehörde beim Landratsamt, Tel. 03437-9841730, in der Stadtverwaltung beim Ordnungsamt, Tel. 03425-8560131 oder beim Integrationsbeauftragten der Stadt, Mirek Bohdalek, Tel. 03425-852710. Über die weiteren Entwicklungen und Hilfeleistungen durch die Stadt Wurzen werde die Stadtverwaltung regelmäßig informieren, so Oberbürgermeister Jörg Röglin.

Ein Kommentar

  1. Jens Kretzschmar

    24. September 2015 at 13:32

    Pressemitteilung der Fraktion DIE LINKE im Stadtrat Wurzen
    23.09.2015

    Gemeinsam für Integration
    Wenn uns etwas dieser Tage am Herzen liegen sollte, dann sind es die Menschen, welche durch Krieg, Armut und Perspektivlosigkeit in den letzten Wochen und Monaten in unsere Stadt gekommen sind. Wir haben erlebt, wie die große Politik die Landkreise und Kommunen mit allen Schwierigkeiten allein gelassen hat, ja, wie der Freistaat Sachsen einen finanziellen Vorteil aus der Situation ziehen will. Erbärmlich.
    Staatliches Totalversagen wurde in vielen Städten durch ehrenamtliche Organisatoren, Helfer und deren Unterstützer ersetzt. So auch in unserer Stadt Wurzen. Bereits vor einem Jahr hat sich hier ein Unterstützerkreis für Flüchtlinge und Asylsuchende gebildet. Wir als DIE LINKE Fraktion im Stadtrat Wurzen begrüßen das ausdrücklich.
    Die CDU möchte nun eine klare Aussage zum Unterbringungskonzept von Flüchtlingen in der Stadt Wurzen. Zuerst freuen wir uns, dass sich offenbar alle demokratischen Kräfte in Wurzen einer Lösung dieser großen Aufgabe verschrieben haben. Ein Konzept scheint uns zu hoch gegriffen, aber ein paar Eckpunkte, welche wir gemeinsam gegenüber der Kreisbehörde vertreten wollen, erscheinen uns hilfreich. Ein wichtiger Eckpunkt wird seit Beginn der steigenden Flüchtlingszahlen erkennbar umgesetzt. Alle Informationen dazu sind den Fraktionsvorsitzenden des Wurzener Stadtrates durch OBM Röglin zugegangen. Uns ist völlig klar, dass eine dezentrale Unterbringung angestrebt wird. Die Schwierigkeiten, dies der Ausländerbehörde des Kreises zu vermitteln, sollte ebenso allen bekannt sein. Lassen Sie uns gemeinsam mit der Amtsleiterin in Borna dazu ins Gespräch kommen!
    Die Zuständigkeit in der Stadtverwaltung war aus unserer Sicht ebenso geklärt. Auf Einladungen des Unterstützerkreises reagierte Herr Lehne jedoch leider nicht. Der Unterstützerkreis wünscht sich aber dringend einen festen Ansprechpartner im Stadthaus.

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